Was ein In-Row Hackgerät ist – und wie es sich vom Zwischenreihen-Hacken unterscheidet
Jede Reihenkultur hat zwei Problemzonen. Die eine liegt zwischen den Reihen, die andere in der Reihe – also im schmalen Band direkt über den Kulturpflanzen. Klassische Hackgeräte lösen nur das erste Problem: Sie führen starre Schare durch den freien Raum zwischen zwei Reihen und lassen das Band über der Reihe stehen. Genau dort wächst das Unkraut aber am hartnäckigsten, weil es dieselben guten Bedingungen vorfindet wie die Kultur selbst und von ihr beschattet wird.
Ein In-Row Hackgerät übernimmt genau dieses Band. Es muss dafür in Sekundenbruchteilen zwischen Kulturpflanze und Unkraut unterscheiden und seine Werkzeuge um jede einzelne Pflanze herumführen. Das ist ohne Sensorik nicht machbar – deshalb ist In-Row-Hacken erst mit kameragestützter Erkennung und künstlicher Intelligenz praxistauglich geworden.
Beim VarioCHOP AI gibt es dafür zwei Aufbautypen: nur in der Reihe – dann übernimmt ein vorhandenes Hackgerät die Zwischenreihe – oder in der Reihe plus zwischen den Reihen für eine vollflächige Bearbeitung in einer Überfahrt. Wer bereits mit einem VarioCHOP Hackgerät arbeitet, ergänzt also gezielt den Teil, der bisher händisch nachgearbeitet werden musste.

Wie die Kameraerkennung in der Reihe arbeitet
Über jeder Reihe sitzt eine Kamera. Sie nimmt mehrere Bilder pro Pflanze auf und erkennt die Wurzelposition, nicht das Blatt. Dieser Unterschied ist im Feld entscheidend: Blätter bewegen sich im Wind, sie hängen über Nachbarpflanzen und verdecken Unkraut. Die Wurzel steht dagegen still und markiert exakt den Punkt, den die Messer verschonen müssen. Dadurch ist Wind kein Problem, und Unkraut wird auch unter den Blättern der Kultur entfernt.
Abhängig von der Fahrgeschwindigkeit sendet die Kamera das Signal zum Öffnen und Schließen der Hackmesser – bis zu dreimal pro Sekunde. Eine zusätzliche 3D-Kamera misst die Höhe des Bestands, ein Elektromotor pro Reihe passt die Arbeitshöhe individuell an. Der hydraulische Seitenverschub richtet sich automatisch am Mittelwert aller Reihen aus, sodass das Gerät auch bei leichtem Versatz der Saatreihen sauber spurt.
Eine Kalibrierung ist nicht nötig: Kultur auswählen, anhängen, losfahren. Damit die Erkennung unabhängig vom Licht funktioniert, arbeiten integrierte Blitzlichter und LED-Beleuchtung mit. Das System erkennt die Pflanzen bei jedem Sonnenstand und auch nachts – ein praktischer Vorteil, wenn das Zeitfenster für den Hackdurchgang eng ist. Und es ist robust: Auch bei dichtem Unkraut, unregelmäßigem Bestand oder Überwuchs erkennt die KI die Kulturpflanzen zuverlässig.

Gestartet wird früh: Unkrauthacken ist bereits ab dem 2-Blatt-Stadium möglich. Je früher der erste Durchgang läuft, desto kleiner ist das Unkraut und desto weniger Konkurrenz hat die Kultur in der empfindlichsten Phase. Mehr zum Zusammenspiel von Kamera, KI und Feldpraxis steht auf der Seite zum VarioCHOP AI mit KI-Pflanzenerkennung.

Für welche Kulturen und Reihenabstände sich In-Row-Hacken eignet
Die Bandbreite ist größer, als viele erwarten. Im Einsatz sind aktuell Zuckerrüben, Kürbis, Mais, Zwiebel, Knoblauch, Kohl, Erdnüsse, Reis, Gemüse und Salat sowie rund 80 weitere Kulturen – insgesamt über 100 Kulturen. Dazu gehören robuste Feldfrüchte wie Kartoffeln, Süßkartoffeln und Sonnenblumen ebenso wie empfindlichere Pflanzen: Brokkoli, Blumenkohl, Fenchel, Tomaten, Erdbeeren. Auch Spezialkulturen wie Oregano, Thymian, Zitronenmelisse, Minze und Hanf lassen sich bearbeiten.
Kommt eine Kultur dazu, die das System noch nicht kennt, wird sie angelernt. Vom ersten Kamerascan bis zum einsatzbereiten KI-Modell dauert das in der Regel etwa sechs Stunden. Für Betriebe mit wechselnden Fruchtfolgen oder Vertragsanbau ist das der entscheidende Punkt: Die Maschine wächst mit dem Anbauplan mit.

Beim Reihenabstand ist das System flexibel: Es lässt sich stufenlos ab 15 cm einstellen, alle Einheiten sind leicht verschiebbar. Ein Wechsel von 50 auf 75 cm ist in etwa einer halben Stunde erledigt. In der Reihe arbeitet die Technik ab rund 8 cm Abstand zwischen den einzelnen Pflanzen. Konfigurierbar ist die Maschine von 1 bis 16 Reihen, auch mit individuellen Abständen innerhalb eines Geräts.
Das deckt die üblichen Reihenweiten der Praxis ab: Mais steht meist in 70 bis 75 cm, Zuckerrübe in 45 bis 50 cm, Soja zwischen 30 und 45 cm, Sonnenblume in 50 bis 75 cm, Feldgemüse wie Salat, Fenchel und Kohl in 30 bis 50 cm. Kürbis braucht mit 100 bis 200 cm deutlich mehr Platz. Welcher Abstand zur eigenen Kultur und zur vorhandenen Sätechnik passt, behandelt der Ratgeber Reihenabstand richtig wählen im Detail.

Arbeitsgeschwindigkeit und Flächenleistung im Feld
In der Reihe zu hacken ist Präzisionsarbeit, trotzdem muss die Fläche vorangehen. Bei 6-reihigen Zuckerrüben sind mit dem In-Row-Aufbau bis zu 5 km/h und damit rund 1 Hektar pro Stunde möglich – inklusive Bearbeitung direkt in der Reihe, also ohne anschließende Handarbeit im Band. Zuckerrübe ist dabei der anspruchsvolle Fall: enge Reihen, kleine Pflanzen, wenig Toleranz.
Zum Vergleich: Ein rein mechanisches Hackgerät wie der VarioCHOP arbeitet zwischen den Reihen mit Geschwindigkeiten bis 19 km/h und erreicht bei 3 Metern Arbeitsbreite realistisch – inklusive Wendezeiten – 3 bis 5 Hektar pro Stunde. Die Kombination beider Systeme ist deshalb sinnvoll: hohe Flächenleistung zwischen den Reihen, präzise KI-Arbeit im Band über der Reihe.
Weil die Erkennung auch nachts funktioniert, verdoppelt sich das nutzbare Zeitfenster faktisch. Wer bei Trockenheit hacken muss oder auf ein kurzes Schönwetterfenster wartet, kann durchfahren. Auch Hanglagen bremsen nicht: Jede Einheit steuert ihre Höhe selbstständig, dadurch bleibt die Bearbeitung über die gesamte Arbeitsbreite gleichmäßig.

Wie das im Feld aussieht, zeigt dieses Video von unseren Einsätzen in Österreich, Deutschland und international:
Was ein In-Row Hackgerät gegenüber der Handhacke einspart
Die Rechnung ist der eigentliche Grund, warum In-Row-Technik gekauft wird. Eine Person mit der Hacke in der Hand schafft je nach Kultur und Boden 50 bis 150 Quadratmeter pro Stunde. Ein Hektar ist damit ein voller Arbeitstag – pro Person. Über eine Saison mit mehreren Durchgängen summiert sich das bei Zuckerrüben auf 60 bis 90 Arbeitsstunden je Hektar, je nach Unkrautdruck.
Die Vollkosten einer Hilfskraft liegen in Österreich und Deutschland inklusive Lohnnebenkosten meist zwischen 15 und 22 Euro pro Stunde, bei saisonalem Spitzenpersonal auch darüber. Daraus werden 900 bis 2.000 Euro reine Lohnkosten pro Hektar und Saison. Ein mechanisches Hackgerät benötigt dagegen 3 bis 5 Maschinenstunden je Hektar und Saison und kostet inklusive Traktor und Fahrer etwa 25 bis 50 Euro pro Hektar.
Das In-Row-Hacken setzt genau dort an, wo die Handarbeit bisher unverzichtbar war: im Band über der Reihe. Bis zu 90 % der manuellen Hackarbeit entfallen. Eine 6-reihige Maschine kann je nach Kultur und Bestand bis zu 60 Arbeitskräfte ersetzen. Im Durchschnitt sehen wir bei unseren Landwirten Einsparungen von 70 bis 100 % – schon bei wenigen Hektar Fläche sind das mehrere Tausend Euro pro Jahr.

Für konventionelle Betriebe kommt ein zweiter Effekt dazu: Wer mechanisch hackt, spart im Regelfall bis zu 50 % der Herbizidkosten, weil nur noch das Band über der Reihe behandelt werden muss. Mit In-Row-Technik lässt sich auch dieser Rest ersetzen. Für Bio-Betriebe, die keine Herbizide einsetzen dürfen, ist mechanisches Hacken ohnehin die einzige wirtschaftliche Lösung für größere Flächen. Die vollständige Gegenüberstellung mit Stundensätzen und Beispielrechnungen steht im Beitrag Hackgerät vs. Handhacke.
Anbau am Traktor und Bedienung im Alltag
Der Einstieg ist bewusst niedrig gehalten. GPS oder ISOBUS sind nicht zwingend nötig – GPS ist hilfreich, aber keine Voraussetzung. Die Stromversorgung kann direkt von der Traktorbatterie erfolgen. Damit ist die Technik auch an älteren Schleppern einsetzbar und nicht an eine bestimmte Traktormarke gebunden.
Eingestellt wird über das mitgelieferte Tablet oder ein Android-Gerät: Arbeitstiefe sowie Öffnungs- und Schließpunkt der Messer sind mit wenigen Klicks angepasst. Eine Kalibrierung entfällt – die Kultur wird aus der Liste gewählt, dann kann gefahren werden. Für den Anbau stehen unterschiedliche Böcke zur Verfügung: der Anbaubock FX für Front- und Heckanbau, der Frontanbaubock SX, dessen Schwerpunkt rund 32 cm näher am Traktor liegt, sowie der Lenkbock RG-X „RearGuidance“, der das Gerät über zwei Hydraulikzylinder plus Lenkzylinder auch im Winkel zur Reihe verstellt – hilfreich bei Hangquerfahrten.

Für größere Arbeitsbreiten und mehr Verschiebeweg gibt es die Linearverschieberahmen SG-X und EG-X sowie den Verschieberahmen LG-X mit insgesamt 64 cm Verschiebeweg über ein Parallelogramm. Beim Service setzen wir auf persönliche Betreuung und Remote-Support über das Internet – auch während der Saison, wenn es schnell gehen muss.
Zubehör und Aufbauvarianten für das In-Row Hackgerät
Ein In-Row Hackgerät ist selten allein unterwegs. Je nach Kultur, Boden und Wachstumsstadium ergänzen Werkzeuge das Ergebnis – viele davon werkzeuglos montier- und verstellbar:
- Fingerhacke: bekämpft Unkraut in der Reihe mechanisch, so nah wie möglich an der Schar angebaut, um Abdrift am Hang vorzubeugen. Höhe, Anpressdruck und Reihenabstand sind einfach verstellbar.
- Striegel, parallelogramm-geführt: arbeitet wahlweise ganzflächig, zwischen den Reihen oder auf der Reihe. Aggressivität und Anpressdruck werkzeuglos verstellbar.
- Striegel, am Element geführt: immer an derselben Stelle fixiert und dadurch besonders gut zum Auskämmen in der Reihe geeignet.
- Pflanzenschutzscheibe und Blattschutzblech: schützen die Kulturpflanze vor Verschüttungen und leiten die Blätter größerer Kulturen sauber vorbei.
- Exaktschnittscheibe: arbeitet die Erde vor der Schar von der Pflanze weg – ideal für kleine, empfindliche Kulturen; getauscht montiert erzielt sie eine Häufelwirkung.
- Messerwalze: zerkleinert Mulchmaterial vor den Scharen und beugt Verstopfungen vor, selbstreinigend und zweigeteilt.
- Tastrad und Balkenstützrad: für die genaue Tiefenführung; das Tastrad ist ohne Werkzeug zwischen 5 und 50 mm Arbeitstiefe verstellbar.

Wer die einzelnen Werkzeuge mit ihren Einsatzbereichen vergleichen möchte, findet die vollständige Übersicht unter Hackgerät-Zubehör und Anbauteile. Für die Zwischenreihe lohnt außerdem ein Blick auf die patentierte Bandbreitenverstellung des VarioCHOP und das X-ADJUST-System, mit dem sich jede Reihenbreite von 45 bis 75 cm stufenlos hydraulisch umstellen lässt.
Kaufentscheidung: wann sich ein In-Row Hackgerät rechnet
Die Faustregel aus der Praxis: Ab ungefähr 15 bis 25 Hektar Hackfrucht pro Jahr rechnet sich ein eigenes Hackgerät klar gegenüber reiner Handarbeit – vorausgesetzt, die Fläche wird selbst bewirtschaftet und das Gerät für mehrere Durchgänge pro Saison genutzt. Ein Landwirt aus Tulln formuliert es für seinen Betrieb so: „Sogar schon bei rund 15 bis 20 ha Bio-Zuckerrüben rechnet sich die Maschine in 4 Jahren.“
Bei kleineren Flächen kann eine überbetriebliche Nutzung über eine Maschinengemeinschaft oder einen Lohnunternehmer sinnvoller sein. Ein weiterer Hebel ist die Investitionsförderung für Hacktechnik – in Niederösterreich besteht derzeit die Möglichkeit, 20 % Förderung auf Hacktechnik zu beantragen. Welche Fragen vor der Anschaffung sonst noch zu klären sind – Reihenzahl, Anbaubock, Sätechnik, Fruchtfolge –, fasst der Leitfaden zum Hackgerätekauf zusammen.

Die Technik ist keine Prototypenlösung: Entwickelt gemeinsam mit unserem Partner Ullmanna, ist sie in vielen Ländern Europas im Einsatz und seit 2024 weltweit unterwegs, mit Erfahrung aus über 20.000 Hektar. Ausgezeichnet wurde sie unter anderem als Gewinner des Nextcelerator 2022, mit Silber bei der MassChallenge Schweiz, als Gewinner des AIL Österreich 2023 und mit dem GRAND PRIX der Tech Agro 2024.
Am Ende überzeugt aber nur das eigene Feld. Bei einer Live-Vorführung am Feld sieht man in wenigen Minuten, was keine Broschüre zeigt: wie sauber die Kamera die Kultur trifft, wie viel Unkraut im Band tatsächlich verschwindet und wie schnell sich das Gerät auf die eigene Reihenweite umstellen lässt.
Häufige Fragen zum In-Row Hackgerät
Was ist der Unterschied zwischen In-Row-Hacken und Hacken zwischen den Reihen?
Zwischen den Reihen arbeitet ein klassisches Hackgerät mit starren Scharen im freien Raum zwischen zwei Pflanzenreihen. Beim In-Row-Hacken wird zusätzlich das Band direkt über der Reihe bearbeitet, also der Streifen zwischen den einzelnen Kulturpflanzen. Beim VarioCHOP AI gibt es dafür zwei Aufbautypen: nur in der Reihe oder in der Reihe plus zwischen den Reihen für eine vollflächige Bearbeitung.
Wie erkennt ein In-Row Hackgerät, wo es hacken darf?
Über jeder Reihe sitzt eine Kamera, die mehrere Bilder pro Pflanze aufnimmt und die Wurzelposition erkennt – nicht das Blatt. Abhängig von der Fahrgeschwindigkeit sendet sie das Signal zum Öffnen und Schließen der Hackmesser, bis zu dreimal pro Sekunde. Eine 3D-Kamera misst zusätzlich die Höhe.
Funktioniert das In-Row-Hacken auch nachts oder bei tiefem Sonnenstand?
Ja. Dank integrierter Blitzlichter und LED-Beleuchtung funktioniert die Pflanzenerkennung bei jedem Sonnenstand und auch nachts. Das verlängert das Zeitfenster, in dem gehackt werden kann, erheblich.
Ab welchem Reihenabstand ist In-Row-Hacken möglich?
Das System lässt sich stufenlos ab 15 cm Reihenabstand einstellen. Alle Einheiten sind leicht verschiebbar – von 50 auf 75 cm ist in etwa einer halben Stunde umgestellt. In der Reihe arbeitet die Technik ab rund 8 cm Abstand zwischen den Pflanzen.
Welche Kulturen kann ein In-Row Hackgerät bearbeiten?
Aktuell Zuckerrüben, Kürbis, Mais, Zwiebel, Knoblauch, Kohl, Erdnüsse, Reis, Gemüse, Salat und rund 80 weitere Kulturen, darunter viele Kräuter. Insgesamt sind es über 100 Kulturen. Eine komplett neue Kultur ist in der Regel innerhalb von etwa sechs Stunden angelernt.
Wie schnell kann ich in der Reihe hacken?
Bei 6-reihigen Zuckerrüben sind bis zu 5 km/h und damit etwa 1 Hektar pro Stunde möglich – inklusive Bearbeitung in der Reihe. Ein rein mechanisches Hackgerät wie der VarioCHOP fährt zwischen den Reihen bis zu 19 km/h.
Braucht mein Traktor GPS oder ISOBUS für ein In-Row Hackgerät?
Nicht zwingend. GPS ist hilfreich, aber nicht notwendig. Die Stromversorgung kann auch direkt von der Batterie erfolgen. Eingestellt wird über das mitgelieferte Tablet oder ein Android-Gerät.
Wie viel Handarbeit spare ich mit einem In-Row Hackgerät?
Bis zu 90 % der manuellen Hackarbeit entfallen. Eine 6-reihige Maschine kann bis zu 60 Arbeitskräfte ersetzen – je nach Kultur und Bestand. Im Durchschnitt sehen wir bei unseren Landwirten Einsparungen von 70 bis 100 %.